ATELIER DE CONVERSATION

In der Bibliothèque publique d’information im Centre Pompidou in Paris treffen sich wöchentlich Menschen aus allen Erdteilen, um im Atelier de conversation Französisch zu sprechen. Neben Kriegsflüchtlingen sitzen Geschäftsleute, neben unbekümmerten Studierenden politisch verfolgte Menschen. So verschieden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch sind, so haben sie gemeinsame und verbindende Ziele: Die Sprache zu lernen und Verbündete zu finden, um in der Fremde (über-)leben zu können. An diesem hoffnungsvollen Ort werden soziale und kulturelle Grenzen aufgelöst und Menschen, die niemals miteinander in Berührung kommen, begegnen sich auf Augenhöhe.

Dans la Bibliothèque publique d‘information, au Centre Pompidou de Paris, des personnes venant des quatre coins du monde se rencontrent, chaque semaine, dans l‘Atelier de conversation pour parler français. Les réfugiés de guerre côtoient les hommes d‘affaire, les étudiants insouciants croisent les victimes de persécutions politiques. Malgré leurs différences, participantes et participants partagent des objectifs communs : apprendre la langue et trouver des alliés pour pouvoir (sur)vivre à l‘étranger. C‘est dans ce lieu rempli d‘espoir où les frontières sociales et culturelles s‘effacent que des individus, dont les routes ne se seraient jamais croisées, se rencontrent d‘égal à égal.

People from all over the world meet on a weekly basis at the Atelier de conversation of the Bibliothèque publique d’information located in the Centre Pompidou in Paris to practice their French. Refugees of war sit together with busi- nessmen, easy-going students next to victims of political persecution. As diverse as its members might be, they have one goal in common that connects all of them: to learn the language and find companions while living abroad – if not to survive living abroad. At this hopeful place social and cultural borders dissolve. People, who otherwise would never be in touch, meet eye to eye.

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Sales/Distribution international: SIXPACKFILM
Sales/Distribution Frankreich:  ASC DISTRIBUTION

ATELIER DE CONVERSATION

AT/FR/LI, 2017, 72 Min.
DCP, Französisch mit englischen oder deutschen UT

AWARDS/AUSZEICHNUNGEN:

Opening Film, Cinéma du rèel 2017, Paris/France

Documentary Special Jury Prize, Karlovy Vary International Film Festival 2017, Karlovy Vary/Czech Republic

ARTE Dokumentarfilmpreis, Duisburger Filmwoche 2017, Duisburg/Germany

CREDITS:

Regie & Buch: Bernhard Braunstein

Kamera: Adrien Lecouturier

Schnitt: Roland Stöttinger

Dramaturgische Beratung: Lucile Chaufour

Ton: Nicolas Joly, Clément Maléo, Alexandre Andrillon, Philippe Schillinger

Tonschnitt/Mischung: Nicolas Joly

Farbkorrektur: Dimitri Aschwanden

Musik: Lucile Chaufour

Graphik: Matthias van Baaren

Produzenten: Bernhard Braunstein, Dominik Tschütscher

Produktion: schaller08 (A), Supersonicglide (F)

Förderungen: Bundeskanzleramt Österreich – innovative film austria, BKA Startstipendium Film, Land Salzburg Kultur, Kulturstiftung Liechtenstein, Stadt Salzburg Kultur

In Zusammenarbeit: Bpi – Bibliothéque publique d’information, Centre Pompidou

ARTIKEL/INTERVIEWS:

„No man is an island“, von Sylvia Szely, in kolik.film, Oktober 2017

Interview: Bernhard Braunstein and Raphael Casadesus, für FilmDoo, September 2017

Joachim Schätz für sixpackfilm 2017 / Christina Wintersteiger für Diagonale-Katalog 2017

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DER WOHLWOLLENDE DIKTATOR

‚Ein wohlwollender Diktator unter diesen Umständen‘, sagt Norbert Abeles, Protagonist des gleichnamigen Dokumentarfilms, ‚ist ja das beste. Der nützt die herrschenden Umstände aus zum Wohl des Volkes.‘

Was sind das für Umstände? Umstände, wie sie in Malawi, wo Abeles seit mehr als 30 Jahren lebt, vorherrschen: in erster Linie ein Teufelskreis aus großer Armut und geringen Chancen auf Bildung. Umstände, die vom Kolonialismus hervorgebracht wurden und die als dessen Erbe auch nach der Unabhängigkeit des Landes andauern.

Was Abeles´ Äußerung so bemerkenswert macht ist, dass sie von jemandem kommt, der selbst vor einer Diktatur fliehen musste. Als Kind jüdischer Eltern wurde er 1938 mit dem so genannten ‚Kindertransport‘ nach Großbritannien gebracht. Seine Mutter ließ er in Wien zurück (sie wurde später von den Nazis deportiert und ermordet), sein Vater hatte sich schon ein Jahr zuvor das Leben genommen. 1956 kam Abeles als Kolonialbeamter im Dienst des britischen Colonial Service nach Afrika, heute wohnt er in Nkhotakota am Malawisee, wo er mit seiner Ehefrau und mehr als zehn Angestellten lebt.

Ist Norbert Abeles der Prototyp jenes wohlmeinenden Diktators, den der Titel des Films ankündigt? Er ist es, weil er es nicht ist: Seinen Bediensteten zahlt er den gesetzlichen Mindestlohn, von dem er sagt, dass dieser weder für das Schulgeld noch für das tägliche Brot reicht. Kein Wunder, dass die Angestellten von ihm abhängen, ihm Geld schulden. Aber dafür behandelt er sie ‚in gewisser Hinsicht‘ wie Familienmitglieder. Dennoch: Nicht das Wohl des ‚Volkes‘, sondern der eigene Vorteil leitet sein Handeln an. Wie der Alltag unter diesen neofeudalen Verhältnissen aussehen könnte, zeigt uns die Kamera: Malawische Männer und Frauen, die den Garten pflegen, den Tisch abräumen, Hühner versorgen, das Haus bewachen und dabei vor allem eines nicht tun: sprechen. (Vrääth Öhner)

www.sixpackfilm.com

CREDITS:

Ein Film von Albert Lichtblau, Bernhard Braunstein und Martin Hasenöhrl
AT/FR 2016, 35 min, DCP
Produktion: schaller08 und supersonicglide

FESTIVALS:

Cinema du réel, Paris
Jihlava East Silver Market
DocAviv
IndieLisboa

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AUSTRO-AMERICAN YOUTH

Austro-American Youth ist ein Film über den Verlust von Heimat im eigenen Land, über das Wiederfinden des Glücks in der Fremde, und die neuerliche Bedrohung aus dem Nichts.

1941 gründen jungendliche Flüchtlinge aus Nazi-Österreich in New York den Club Austro-American Youth. In kurzer Zeit wird die Gruppe für mehrere hundert Menschen zu einer Art Zwischenheimat. Es werden Ausflüge ins Grüne unternommen, es wird getanzt, gesungen, gesportelt, und nicht wenige finden im Club die Liebe für`s Leben.

Doch hinter der unbeschwerten Fassade der Austro-American Youth verbirgt sich auch eine brisante politische Dimension. Der Krieg ist erst wenige Jahre vorbei, und die errungene Freiheit ist noch ganz frisch, da schlägt das Schicksal ein zweites Mal zu. Amerika befindet sich im Kalten Krieg und Senator Joseph McCarthy bläst zur Kommunisten-Jagd. Zwei Mitbegründer des Clubs werden als kommunistische Spione enttarnt, und die ganze Gruppe gerät ins Visier des FBI.

Ein überwunden geglaubter Albtraum der Bedrohung beginnt von Neuem.

CREDITS:

Buch und Regie: Albert Lichtblau
Kamera: Bernhard Braunstein
Schnitt: Martin Hasenöhrl
Fertigstellung 2017

Veröffentlicht in Kino

DIE SUCHE NACH CHUBZ

Vom ersten hohen Berg bis zum Meer, so lautet der Plan. Entlang der Hauptkette des Hohen Atlas macht sich eine fünfköpfige austro-marokkanische Bergsteigertruppe auf den Weg, um die höchste Gebirgskette Nordafrikas der Länge nach zu überschreiten.

Entlang alter Maultierpfade führt sie der Weg nicht nur in atemberaubende Hochgebirgslandschaften und über sechs Viertausender, sondern auch in die traditionellen Lehmdörfer der Atlas-Berber. Die Begegnungen mit den Menschen in den Tälern werden genauso Teil der Reise wie die entrückte Weite der schneebedeckten Gipfel und Hochebenen des Atlasgebirges.

* Chubz, (arab.) Brot

CREDITS:

Ein Film von Andreas Hasenöhrl
Mit: David Falch, Andreas und Martin Hasenöhrl, Adnan Khzoum, Rupert Weber u.a.
Schnitt: Andreas und Martin Hasenöhrl
Musik: Fritz Moßhammer und Youness Paco
Sounddesign: Wolfgang Spannberger
Österreich/Marokko 2015, 63 min.

 

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SLEEPING IMAGE

Ein poetischer Dokumentarfilm über Träumer und die Entstehung von Traumlandschaften im Entwicklungsprozess von Polaroids.

‚Wer über längere Zeit am Träumen gehindert wird, muss unweigerlich verrückt werden,‘ sagt Michael Ende. Es gibt Urvölker die glauben, dass die Welt von träumenden Wanderern erschaffen wurde. Aus dem gleißenden Nichts der Urzeit, formten sich durch das Träumen Strukturen, aus dem Unfassbaren wuchs das Greifbare heran. Dieser mystische Vorgang gleicht auf verblüffende Weise dem Entwicklungsprozess eines Polaroid-Photos. Zuerst nur Weiß, dann Schemen und Ahnungen, am Ende das Bild einer Welt, die wir so noch nicht gesehen haben. Der Traumfilm spürt dieser unerhörten Bewegung nach, die aus den Tiefen des Unterbewusstseins Bildmaterial an die Oberfläche schwemmt. Den kollektiven Traumfabriken wird der Rücken zugekehrt, die ganz individuelle Reise ins Reich der Doppelbelichtungen steht im Mittelpunkt.

CREDITS:

Buch und Regie: Bernhard Braunstein
Dokumentarfilm, 27 min, HD
Fertigstellung: 2009
Kamera: Martin Hasenöhrl
Produktion: schaller08, supersonicglide

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HOLY WATERS

Holy Waters ist ein Film über Menschen, die Wasser anbeten. Und ein Film über meine Großmutter, die Wasser verabscheut.

Ausgangspunkt ist eine kleine Quelle in der oberösterreichischen Provinz, die zum großen Spiegelbild für menschliche Sehnsüchte wird. Eine assoziative Reise ins Reich des energetisierten Wassers, rund um Marienverehrer, Metzgermeister, den Doktor aus Lourdes, und den prominenten Wasser-Guru aus Japan. Ein Film über den Stoff aus dem alles Leben ist, und eine Annäherung an existentielle Fragen. Kann Wasser Wunder wirken, und darf Leberkäse heilig sein?

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CREDITS:

Titel: Holy Waters
Genre/Länge: Dokumentarfilm/74 min.
Format: HD-CAM
Fertigstellung: Juni 2011
Buch/Regie: David Gross
Bildgestaltung: Daniel Samer
Schnitt: Bernhard Braunstein
Ton: Korbinian Blöckner

FESTIVAL-PREMIERE:

Crossing Europe 2012

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REISEN IM EIGENEN ZIMMER

Ein Portrait des im Herbst 2006 verstorbenen Schriftstellers Gerhard Amanshauser, das sich dessen nie verwirklichtes Buchprojekt ‚Reisen im eigenen Zimmer‘ zum Ausgangspunkt nimmt: Sein Leben und Werk treten in Form von landschaftlichen Streifzügen, literarischen Exkursen und filmbiographischen Ausflügen in die Vergangenheit miteinander in Dialog. In Filmbilder übersetzte Delirien und Visionen versuchen die krankheitsbedingte Isolation zu sprengen.

www.sixpackfilm.com

 

CREDITS:

TITEL: Reisen im eigenen Zimmer – Der Schriftsteller Gerhard Amanshauser
REGIE: Bernhard Braunstein/David Groß
BUCH: Braunstein/Groß
KAMERA: Bernhard Braunstein
SCHNITT: Braunstein/Groß
DARSTELLER: Gerhard Amanshauser
JAHR: 2007
SPRACHE: deutsch
PRODUKTION: Braunstein/Gross
FÖRDERUNGEN: bm:uk, Stadt und land Salzburg, Stadt Wien, offscreen

FESTIVALTEILNAHMEN:

Diagonale06
Solothurner Filmtage
film:riss06

TV-AUSSTRAHLUNGEN:

okto (oktoscop)

NOMINIERUNGEN/PREISE:

Lobende Erwähnung (Diagonale)

 

 

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DER WELTENWANDERER

‚Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst‘ – getreu dem Motto seines großen Vorbildes Mahatma Gandhi hat der heute 33-jährige Bad Ischler Gregor Sieböck vor 6 Jahren einen Job bei der Weltbank abgelehnt, um zu Fuß um die Welt zu gehen. Über 15.000 Kilometer hat er seither zurückgelegt: auf dem Jakobsweg, quer durch Patagonien, auf der alten Inkastrasse durch Südamerika, durch die USA, Japan und Neuseeland. In den drei Jahren seiner Wanderung ist er dabei weiter gegangen, als viele von uns in ihrem ganzen Leben – und das im doppelten Sinn, denn: ‚man muss loslassen, um weiterzukommen‘. Ein Portrait des Weltenwanderers Gregor Sieböck.

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CREDITS:

Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Martin Hasenöhrl
Ton: Heinrich Hasenöhrl
Eine Produktion von schaller08
Ö 2010, 61 min, HDV

FESTIVALS:

Crossing Europe
Bergfilmfestival Salzburg
Filmfestival Radstadt

 

REGIEKOMMENTAR:

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben, frage ich mein Gegenüber während eines Interviews im Zug von Salzburg nach Wien. ‚Verwegen, dynamisch, erfolglos‘, meint der heute 31jährige Bad Ischler Gregor Sieböck, ‚also ein bisschen verwegen mit meinen Gedanken, meinen Ideen, den Handlungen die ich umsetze; doch immer dynamisch, anpassungsfähig an das Neue und bereit, etwas Anderes auszuprobieren; und erfolglos – im Sinne des neoliberalen Wirtschaftssystems bin ich der volle Loser, weil ich Wirtschaft studiert habe in Wien, Umweltwissenschaft in den USA, einen Job bei der Weltbank gekriegt hätte, aber dann gesagt habe, nein, ich gehe zu Fuß um die Welt.‘

Über 15.000 Kilometer hat der Weltenwanderer seither zurückgelegt: auf dem Jakobsweg, quer durch Patagonien, auf einer alten Inkastrasse durch Südamerika, durch die USA, Japan und Neuseeland. Momentan ist er zur Winterpause wieder in Österreich, hält Vorträge, gibt Interviews, schreibt an einem Buch über die Wanderung. Sieböck ist ein moderner Pilger, ein Prediger, ein Vagabund – und gleichzeitig Manager seiner eigenen globalen Umweltkampagne: ursprüngliches Ziel der Wanderung war die Verbreitung der Idee des ökologischen Fussabdrucks, einer Masszahl, die es erlaubt zu berechnen, wieviele Planeten wir theoretisch benötigen würden, um unseren Rohstoffverbrauch auch in Zukunft decken zu können: der durchschnittliche Europäer braucht 2,9 Planeten, der typische US-Amerikaner über fünf. Seinen eigenen Fußabdruck konnte Sieböck während der Wanderung schon um mehr als einen Planeten senken. Er besitzt keinen Führerschein, kein Handy, hat keinen festen Wohnsitz und die Strecken zwischen den Kontinenten legt er immer auf Fracht- oder Segelschiffen zurück. Seit Jahren ist er nicht mehr geflogen. Ein einfaches Leben führen, reduzieren, sich Zeit nehmen, das sind Sieböcks Themen. Auch in seinen Vorträgen: ‚Wir sind nur Gast auf dieser Erde. Wir können von da eh nichts mitnehmen. Wir werden mit leeren Händen geboren und sterben mit leeren Händen. Also bringt das ganze Anhäufen gar nichts. Und das Spannende an einem Pilger ist, er hat einen Wanderstock, einen kleinen Rucksack idealerweise, denn je größer der ist, desto schwerer hat er zu tragen, und er zieht durch die Welt und ist offen für Neues.‘

Mittlerweile sind wir in Linz angekommen. Wir steigen aus und treffen Gregors Vater am Bahnhofsvorplatz, um einen riesigen Stapel Plakate für den nächsten Vortrag in Wien an uns zu nehmen. Gregor bedankt sich für die Hilfe seines Vaters und wir machen uns gleich wieder auf den Weg zum Bahnsteig um den nächsten Zug zu erwischen. Im Weggehen ruft uns der Vater noch lachend nach: ‚Gell, Gregor, die Blöden leben von der Arbeit und die Gscheiten leben von den Blöden.‘ Gregor schmunzelt. Wieder im Zug frage ich ihn, wie er das sieht. ‚Das würde ich so nicht sagen‘, meint er, ‚aber mir gefällt ein anderes Zitat viel besser: ein Meister in der Kunst des Lebens unterscheidet nicht zwischen der Arbeit und dem Spiel, Arbeit und Freizeit, er weiß nicht einmal, was diese unterscheidet und er überlässt es anderen, zu beurteilen, ob er nun gerade arbeitet oder spielt. Nun würde ich mich nicht als Meister in der Kunst des Lebens bezeichnen, aber dieser Satz hat mich doch fasziniert und ich habe mir gedacht, vielleicht gelingt mir in meinem Leben eine Annäherung daran. Nicht immer zu sagen, okay, jetzt gehe ich in die Arbeit, weil meistens ist das damit verbunden, 8 oder 10 Stunden im Büro zu sitzen, das ist nicht lustig, dann komme ich am Abend heim und setze mich im schlimmsten Fall vor den Fernseher und am Wochenende halligalli und am Montag wieder in die Arbeit. Und so vergehen 30, 40, 50 Jahre. Und ich habe mir gedacht, das Leben soll jetzt beginnen, ich warte nicht auf die Zukunft. Ich versuche, das so gut wie möglich jetzt umzusetzen und meine Träume zu realisieren.‘

Einer dieser Träume ist die neue Kampagne mit dem Titel Wegkreuzugen. Gregor will wieder wandern, diesmal mit unbestimmtem Ziel, um die Welt, die Menschen und sich selbst kennenzulernen. In der Karwoche geht es los. Von seinem Elternhaus in Bad Ischl geht es in Richtung Süden. Nach Italien. Weiter hat Sieböck noch nicht geplant, er will das Ziel erreichen, ohne an das Ziel zu denken, denn ‚jedes Wollen bindet den Geist‘. Auf jeden Fall soll die Wanderung wieder mehrere Jahre dauern und ihn irgendwann wieder über Patagonien nach Ecuador führen, wo er als 19-jähriger Zivildiener ein Jahr lang mit Strassenkindern in Quito gearbeitet hat. ‚Ich werde zuhören: Den Stimmen der Erde und den Menschen unterwegs, die Weisen unserer Zeit aufsuchen und in Gesprächen befragen, wie ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Lebensstil auf der Welt ausschauen kann. Ich werde lernen, sowohl von altem als auch von neuem Wissen. Die Erkenntnisse aus diesen Begegnungen möchte ich teilen. Ich werde mit Printmedien, Radio und Fernsehen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, um sie mit meinen Fragen anzuregen, damit die Antworten bei jeder/m einzelnen in Herz und Kopf reifen.‘

Als wir nach einem fast zweistündigen Gespräch in Wien einfahren und ich noch einige Fotos mache, beginnen Gregors Gedanken schon in meinem Kopf zu wirken und noch während er die Ausrüstung für seinen Diavortrag auf den Bahnsteig schleppt, wird mir klar, was das Besondere an Sieböck ist: er strahlt die Überzeugung aus, dass eine andere Welt möglich ist. Es liegt in unseren Händen. Wir können etwas tun. Ein gutes Gefühl in einer Zeit, in der wir unser Leben zunehmend als fremdbestimmt und schicksalhaft wahrnehmen. ‚Lebe ich, oder werde ich gelebt?‘ Diese Frage soll ich mir jeden Tag stellen, meint Sieböck noch, bevor er mit Sack und Pack verschwindet und ich am Bahnsteig zurückbleibe.

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PHARAO BIPOLAR

Pharao Bipolar ist eine filmische Grenzerfahrung im Spannungsfeld von Kunst und Krankheit – eine Begegnung mit dem bipolaren Schauspieler Werner Ludvig Buchmayer, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr an der bipolaren Störung (früher: manische Depression) leidet. Wir haben die Dreharbeiten zu seinem ‚Pharao-Film‘ begleitet, vom ersten Casting bis zur Premiere, haben Höhenflüge am Set und Abstürze in die Psychiatrie miterlebt, und sind auf die Suche nach dem Menschen gegangen, der zwischen zwei extremen Polen gefangen ist. Die innere Zerrissenheit des Protagonisten überträgt sich auf sein familiäres Umfeld, und spiegelt sich auch in den Reaktionen der Gesellschaft wieder, was die Frage aufwirft: wer ist hier eigentlich ‚verrückt‘ und wer ’normal‘?

CREDITS:

Titel: Pharao Bipolar
Regie: Bernhard Braunstein/David Gross
Idee: Braunstein/Gross
Kamera: Braunstein/Gross
Schnitt: Dieter Pichler
Mit: Werner Ludvig Buchmayer
Dokumentarfilm, DV-CAM, 60min
Jahr: 2008
Sprache: deutsch
Produktion: mischief films, Braunstein/Gross
Förderung: Stadt und Land Salzburg, offscreen
Link: www.mischief-films.com

PREISE:

Preis der Diözese Graz-Seckau/Diagonale 2006
Lobende Erwähnung der Jugend-Jury Diagonale 2006

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DRENT UND HERENT

In der Bayerisch-Salzburgischen Grenzregion wird noch heute mit größter Begeisterung ein uraltes heidnisches Lärmbrauchtum betrieben: das Aperschnalzen. Während durch das laute Peitschenknallen früher die bösen Wintergeister vertrieben werden sollten, so betrifft dies heute eher die gegnerischen Mannschaften. Eine dieser Mannschaften, die ‚Passe‘ Gois IV, begleitet der Regisseur und Schnalzer Martin Hasenöhrl während ihres sechswöchigen Trainings für das Große Rupertigaupreisschnalzen, bei dem jährlich über 1500 aktive Schnalzer aus Bayern und Salzburg – von drent und herent – zusammenkommen und um den begehrten Titel schnalzen. Ein Film nicht nur für Schnalzer, sondern auch für alle, die einmal in diese Rolle schlüpfen wollen. Ein Film aber auch für all jene, die schon immer mal verstehen wollten, was diese Männer da genau machen und nicht zuletzt ein Portrait eines kleinen Dorfes im Ausnahmezustand.

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CREDITS:

Buch, Regie, Schnitt: Martin Hasenöhrl
Kamera: Martin Hasenöhrl, Markus Schulze, Marcus Bartos, Peter Schreiner
Ton: Leonhard Schwärz
Eine Produktion von Martin Hasenöhrl in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule für Medien Köln
Ö/D 2007, 86 min. MiniDV, Farbe 4:3 Letterbox, Stereo

FÖRDERUNG:

offscreen – offenes film forum salzburg
Gemeinde Wals-Siezenheim

FESTIVALS:

Max-Ophüls-Preis Saarbrücken Reihe Spektrum
Diagonale Graz
Stranger than fiction Köln
Filmfestival Radstadt
Salzburger Bergfilmfestival

FERNSEHAUSSTRAHLUNG:

OKTO TV Wien – Oktoskop

 

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KOPFBAHNHOF

Ein Wohnkomplex in Bahnhofsnähe in Salzburg: Objekt des Anstoßes – und Anstoß für die Filmemacher, in unbekannte Lebenswelten ein- zudringen. Die Reise durch leere Gänge, entlang karger Mauern ins Innere dieses Mikrokosmos ist geprägt von den Rückkoppelungen zwischen fremdem und eigenem Voyeurismus – und entwickelt sich letztlich zu einer Geschichte des Scheiterns. Kopfbahnhof als Metapher – Endstation.

 

ZUM FILM:

Der Film beginnt mit einer Dia-Projektion. Schnappschüsse aus dem Urlaub, trautes Familienleben, Spaß mit Freunden. Bilder, die Nähe vermitteln: Ein Ausblick auf möglichen Durchblick? Doch nachdem wir den Titel ‚Kopfbahnhof‘ lesen wechselt die Szenerie in die Kälte eines Stiegenhauses.

Die Beleuchtung ist kühl, die Gänge sind nackt und leer. Schritte hallen durch das Haus, Wortfetzen sind zu hören. Dann die Stimmen aus dem OFF: ‚Ein anständiger Mensch geht hier nicht herein. Hier haben schon immer Gift, Alkohol und Ausländer gewohnt.‘

Noch sind keine Menschen zu sehen, nur der Aufzug fährt unermüdlich auf und ab. Ein Blick um die Ecke: Nichts. Doch plötzlich sind wir mitten drin. Wir springen in mehrere Wohnungen, überall hören wir das Gleiche: ‚Raufereien, Autos die angezündet werden, Vergewaltigungen, Morde und Prostitution. Ich weiß nichts von meinen Nachbarn und hoffe, dass sie auch von mir nichts wissen.‘ Ein anderer erzählt von seinen 27 Vorstrafen und davon, wie seine Freundin an einer Überdosis Heroin gestorben ist.

Eigentlich könnte der Film jetzt zu Ende sein. Nach einer halben Stunde ist alles erzählt. Der klassische Sozialporno ist zu Ende. Der Film aber geht weiter. Ein schleichender Prozess kommt in Gang, der die Demontage des Genres versucht. Das zuvor Gesehene erscheint in einem anderen Licht. Der Widerspruch bekommt seinen Raum im körperlosen Haus. Ein Mann, der gerade noch über ‚die Ausländer‘ hergezogen ist, fängt plötzlich an, über sich selbst zu lachen.

Das Kameraauge richtet sich nicht mehr bloß auf Stiegenhäuser und Wohnungen, sondern blickt jetzt auch auf die Filmemacher. Die Beobachter werden selbst zu Beobachteten. Ihre Stimmen mischen sich zu den Stimmen am Gang. ‚Kann man die Kamera einfach in einem fremden Haus, unangemeldet vor einer Wohnungstür aufstellen und draufhalten?‘

Die Hausmeisterin nimmt eine Antwort vorweg indem sie versucht, weitere Dreharbeiten zu verhindern. Man sieht sie nicht, man hört nur ihre Stimme durch die Gänge hallen: ‚Für was soll das gut sein? Wir wollen das nicht! Seid ihr vom ORF?‘

Auf diesen Streit folgt der Bruch. Das Kamerateam zieht vom Haus ab. Zum ersten Mal ändert sich die Perspektive. Das Panorama weitet sich. Wir blicken auf die Stadt Salzburg. Wir stehen auf einem Berg. Erleichterung macht sich breit. Ein zwangsharmonisiertes Ende? Mitnichten.

Die Filmemacher diskutieren im Schnitt-Studio über Sein und Nicht-Sein ihres Films. Ein neuer Film scheint zu beginnen. Das Makabre des Außergewöhnlichen wird zur Poesie des Alltäglichen. Ein Mann sichtet sein Interview. Auf die Frage: ‚Erkennen Sie sich selbst wieder?‘, antwortet er: ‚Ich stehe daneben und schau jemandem zu.‘ Ein bemerkenswerter Moment der Reflexion, der auch die Lage der Filmemacher umreißt. Sie sind mittendrin im Geschehen und stehen doch daneben. Sie erfahren nicht was sie wissen wollen, sondern nur was die Menschen preiszugeben bereit sind. War das Haus zu Beginn des Films eine Art Kopfbahnhof, in dem die Verlierer der Konsumgesellschaft gestrandet sind, wird der Film selbst für die Filmemacher zur Sackgasse und schließlich zum Kopfbahnhof.

Der junge Filmemacher sichtet mit einem Hausbewohner dessen private Dia-Sammlung. Er hält ein Dia gegen das Licht: ‚Was ist das?‘ Der Bewohner kneift die Augen zusammen und antwortet: ‚Das ist Lammragout mit frischem Mozarella in einer Bechamel-Blauschimmelkäsesauce.‘ Doch ein Haus wie jedes Andere.

David Gross

CREDITS:

TITEL: Kopfbahnhof
REGIE: Bernhard Braunstein/Martin Hasenöhrl
BUCH: Braunstein/Hasenöhrl
KAMERA: Bernhard Braunstein
SCHNITT: Braunstein/Hasenöhrl

TECHNISCHE DATEN:

Dokumentarfilm, DVCAM, 70 min.
JAHR: 2003
SPRACHE: deutsch
PRODUKTION: Braunstein/Hasenöhrl
FÖRDERUNGEN: offscreen – offenes film forum salzburg, Stadt und Land Salzburg

FESTIVALTEILNAHMEN:

Diagonale04 – lobende Erwähnung der Jugendjury, Filmfestival Cork Irland

TV-AUSSTRAHLUNGEN:

okto (oktoscop)

 

 

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